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PNN, 04.11.1997

„Forsthaus Templin“ im Niedergang
Betreiber warf das Handtuch/Hohe Sanierungskosten


 
VON HEllA DITTFELD
seit 200 Jahren gibt es an der Straße nach Caputh am Templiner See eine gastliche Stätte. Zuerst als Kavaliers- und GeseIlschaftshaus des Domherrn Arnold Diederich Tamm, der dort seine Gäste empfing, und später als Gaststätte "Forsthaus Templin". Jahrzehntelang über alle Regierungsformen hinweg war das Forsthaus dann ein gern besuchtes Ausflugslokal, doch nun hat der letzte Pächter nicht nur die Türen geschlossen und den Mietvertrag aufgekündigt, der Besitzer von Haus und Land ist sich auch nicht schlüssig, was daraus werden soll. Der Sanierungsbedarf ist hoch und die Treuhand LiegenschaftgeseIlschaft (TLG) wird wohl lange suchen müssen, bis sie einen neuen Mieter oder gar Käufer findet. Und es liegt sogar die Gefahr nahe, daß die Badelustigen und Ausflügler im Sommer 1998 vor verschlossenen Türen stehen.

 Man habe dem bisherigen Gastwirt, Joseph Hanjal aus seinem 20jährigen Mietvertrag gekündigt, so war von Sabine Pentrop, Mitarbeiterin der TLG-Pressestelle Berlin, zu erfahren. Der Vertrag habe auch eine Instandhaltungspflicht enthalten, der sei der Gastwirt jedoch nicht nachgekommen. Was Frau Pentrop allerdings verständlich findet, denn es müsse sehr viel Geld investiert werden, um das „Forsthaus“ wieder flott zu bekommen. Wie viel genau sei der TLG derzeit selbst nicht bekannt, das müsse erst noch eine Bauzustandsuntersuchung erbringen. Pentrop sprach jedoch vorsichtig von mehreren 100000 Mark. Dach, Heizung und die Elektroinstallationen müßten erneuert werden. "Die TLG ist sich bewußt, daß die Gaststätte stark frequentiert war. Trotzdem müsse man erst sehen, wie weiter verfahren werden kann." Das sei auch davon abhängig, ob ein neuer Mieter gefunden werde und was der sich zutraue. Ein neuer Pächter wird jedenfalls dringend gesucht. Pentrop gab zu, daß ein Interessent nach Besichtigung des Forsthauses bereits abgewinkt habe. Dazu noch einmal eine vage Aussage der TLG-Mitarbeiterin: "Vielleicht müssen wir das Haus auch erst einmal selbst sanieren, ehe es wieder vermietbar ist."

Es wäre jedoch aus zwei Gründen ein Jammer, wenn das „Forsthaus Templin" über die Saison geschlossen bliebe und womöglich noch weiter verfiele. Zum einen wird es als Versorgungseinrichtung der Freibadbesucher, die an schönen Wochenenden in die Tausende gehen, dringend gebraucht, zum anderen ist es eben mehr als nur eine Speisegaststätte. Es ist ein historischer Ort, an dem sich Prominenz über zwei Jahrhunderte die Klinke in die Hand gab. Seit das Kavaliershaus 1834 vom Kaufmann Eduard Reinhardt in eine Tabagie, also in ein Wirtshaus, umgewandelt wurde, sind im Gästebuch Namen der Schauspieler Gustav Fröhlich, Hansi Knoteck. des Astronomen Bruno H. Bürgel oder des Schöpfers der brandenburgischen Hymne Gustav Büchsenschütz zu finden. Auch Prinz Louis Ferdinand von Preußen kündigte sich an. Vom komponierenden Schutzmann Carl Teike. von dem der Marsch "Alte Kameraden" die Zeiten überdauert hat, war es das Stammlokal. Prominentester Gast ist aber zweifellos Reichskanzler Otto von Bismarck gewesen. Er war damals noch ein Junge, der gern bei seinem Lieblingsonkel Friedrich von Bismarck auf dem Gut Templin bei Potsdam zu Gast war. „Onkel Fritz" sei ein belesener, großzügiger und freundlicher Mann" gewesen, wird berichtet. Als sein Lieblingsonkel starb, war Otto gerade 15 Jahre alt geworden. Wahrscheinlich hörten danach auch die Besuche im Forsthaus auf.

Was einst eine gute Adresse war, begann dann zu DDR-Zeiten am Massenbetrieb und schlechter Versorgungslage zu kranken. Gingen zum Beispiel an heißen Wochenenden die Getränke aus, konnten vor Montag keine nachbestellt werden. Auch nach der Wende kamen die Gastwirte offenbar mit dem Saisonbetrieb nicht gut klar. Versuche, mit flotten Parties die Kasse aufzubessern, scheiterten am Einspruch der Anwohner. die sich über Lärm beklagten.



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